Erklärung des FDG und Förderverein Dersim zum Internationalen Tag der Muttersprache
Wir erklären, im Sinn und Geist des „Übereinkommens über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen“ ( UNESCO Deklaration von Oktober 2005), zum kulturellen und sprachlichen Reichtum der Welt und der Vielfalt der Kulturen beizutragen und sie zu bewahren. Ein Ziel dieses Übereinkommens ist, die Achtung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen zu fördern und das Bewusstsein für den Wert dieser Vielfalt auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene zu schärfen.
Die Region DERSIM in Hochanatolien ist seit Jahrhunderten ein multiethnischer Raum, in dem viele Sprachen gesprochen werden, wie zum Beispiel Kirmancki/Zazaki. Die türkische Republik hat durch Genozid, Deportation, Vernichtung des Lebensraums die Region Dersim systematisch entvölkert und seiner kulturellen Identitäten zu berauben versucht. Dieser fortwährende Ethnozid hat die Kultur der Dersimer fast vollständig zerstört. Die meisten Dersimer leben im Exil und versuchen mit wenigen Mitteln die eigene Kultur zu retten. Wir haben es dabei mit einem immateriellen Problem zu tun: Es geht um die Rettung von Kulturgut, das heißt der sozialen Werte und Sitten, der Traditionen und der mündlichen Kultur. Wenn Großeltern sterben, verlieren sich viele Informationen, Sitten und Werte.
In Afrika sagt man zu recht: Wenn ein alter Mensch stirbt, verschwindet eine Bibliothek.
Ein großes kulturelles Projekt aussterbender Kulturen heißt dementsprechend »Erzähl mir, Großmutter und Großvater «. Ziel dieses Projektes ist es, der jungen Generation auch im Exil, die Möglichkeit zu verschaffen, dass sich die Generationen begegnen, sowie Informationen über Traditionen, soziale und kulturelle Werte zu sammeln und durch Dokumentation zu erhalten, insbesondere die Muttersprache zu retten.
Der Kern der kulturellen Identität ist die Muttersprache.
Wir fordern deshalb vom Gastland Deutschland neben allen Anstrengungen der Integration, auch die Bewahrung der kulturellen Identität zu fördern, auch wenn die Betroffenen längst die deutsche Staatsbürgerschaft haben und schätzen. Aber jeder Mensch hat auch ein Recht auf seine familiäre Vergangenheit.
Darüber hinaus fordern wir besonders vom türkischen Staat die Übernahme der Verantwortung des in seinem Namen verursachten Unrechts und Wiederherstellung der kulturellen Rechte, das bedeutet die gesetzliche wie reale Achtung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen und deren Förderung im Bewusstsein für den sozialen und materiellen Fortschritt der gesamten Gesellschaft. Dazu gehört aber auch die historische Aufarbeitung und Entwicklung einer angemessenen Gedenkkultur mit Gedenktagen und Gedenkstätten.
Yasar Kaya Vorsitzender Föderation der Dersim Gemeinden in Europa (FDG)
Christian Zimmermann 2. Vorsitzender Förderverein Dersim
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